1. Sächsische Dysphagietagung

06./07.10.2017 in Chemnitz

Dysphagie-Netzwerke

Lichtblicke in der Patientenversorgung


DYSPHAGIE

Allgemeine Informationen zur Erkrankung Dysphagie

2. Ursachen von Dysphagien und deren Prävalenz

2.1. Störung der sensomotorischen Steuerung des Schluckvorganges – Neurogene Dysphagien

  • Störungen des zentralen Nervensystems
    (Schlaganfall 40-55%, Schädel-Hirn Trauma 82%, Tumore 10-30%, degenerative Erkrankungen wie M. Parkinson 40-90%, ALS 48-100%, entzündliche Erkrankungen wie Multiple Sklerose 10-30%, Hypoxien, Intoxikationen, Medikamentennebenwirkungen wie bei Neuroleptika, Entwicklungsstörungen bei Kindern)
  • Störungen des peripheren Nervensystems

    • Erkrankungen der Hirn- und Zervikalnerven
      (entzündliche Erkrankungen wie z.B. das Gullian Barré-Syndrom bis 100%, Tumore, traumatische Läsionen)
    • Erkrankungen des neuromuskulären Überganges
      (z.B. Myasthenia gravis 53%)
    • Muskelerkrankungen
      (z.B. Dermatomyositis, Polymyositis 12-54%)

Bei Hirnstammläsionen ist die Ausprägung von Schluckstörungen am schwersten. Das Wallenberg-Syndrom ist als Folge eines Infarktes in der dorsolateralen Medulla oblongata nach Verschluss der Ateria cerebelli inferior posterior eine der häufigsten Formen der zerebrovaskulären Hirnstammschädigung.

2.2. Strukturelle Veränderungen

- der am Schluckakt beteiligten Organe und benachbarter Bereiche wie Schädelbasis, Wirbelsäule, obere Thoraxapertur, Schilddrüse

  • Primäre strukturelle Erkrankungen
    (congenitale Erkrankungen und Schädigungen, entzündliche und Systemerkrankungen, Traumen, Divertikel, altersbedingte Strukturveränderungen [Logemann et al., 2002], Tumore, Schilddrüsenerkrankungen, HWS - Erkrankungen und Operationen [Martin et al., 1997])
  • Strukturveränderungen durch chirurgische-, radiologische- und chemotherapeutische Tumorbehandlung in der Mundhöhle, dem Pharynx und Larynx, der Schilddrüse und dem Ösophagus

2.3. Weitere Ursachen

  • Kognitive Störungen
    (mit Beeinträchtigung des Bewusstseins, der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung, Apraxie)
  • Störung der Körpermotorik
    (Kopf- und Rumpfkontrolle)
  • Änderung des Verhaltens
    (Antrieb, Demenz)
  • Psychogene Erkrankungen


Das Alter (z.B.: subkortikale, arteriosklerotische Enzephalopatie, verlängerte Bolustransportzeit, verringerte Elastizität des [OÖS] [Jaradeh, 1994]) kann neben seltenen Ursachen (z.B.: Lewy Körper Dysphagie, bulbäre Enzephalitis) Dysphagien verursachen.

Bei Demenzen können in der Spätphase der Erkrankung Dysphagien auftreten. Eine häufige Erkrankung dieser Formen ist die Alzheimer Demenz.

Strukturelle Erkrankungen lassen sich in primäre Schädigungen und Störungen nach chirurgischer, radiologischer und chemotherapeutischer Tumorbehandlung einteilen.

Nicht zu vernachlässigen sind Ursachen, bei denen allein durch die Grunderkrankung keine Dysphagie zu erwarten wäre, aber durch den Verlauf und die Ausprägung der Krankheit und ihrer Symptome Schluckstörungen auftreten können. Zu erwähnen wären hier Störungen der Körpermotorik, Antriebsstörungen, Psychogene Erkrankungen, kognitive Störungen, Beeinträchtigungen des Bewusstseins, Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsdefizite und Apraxien.

Informationen zur Erkrankung Dysphagie

1. Was ist eine Dysphagie?

2. Ursachen von Dysphagien und deren Prävalenz

  • 2.1. Störung der sensomotorischen Steuerung des Schluckvorganges – Neurogene Dysphagien
  • 2.2. Strukturelle Veränderungen
  • 2.3. Weitere Ursachen

3. Klinische Symptomatik – Wie bemerkt man eine Schluckstörung?

  • 3.1. Orale und pharyngeale Phase
  • 3.2. Ösophageale Phase
  • 3.3. Pathophysiologische Symptome

4. Mögliche Beeinträchtigungen und medizinische Komplikationen

5. Interdisziplinäre Diagnostik von Dysphagien

  • 5.1. Standard Diagnostik
  • 5.2. Ergänzende Diagnostik

6. Medizinische Basisversorgung

7. Therapieverfahren

  • 7.1. Störungsspezifische Verfahren: funktionelle Dysphagietherapie (FDT)

    • 7.1.1. Grundlagen der funktionellen Dysphagietherapie
    • 7.1.2. Komponenten der Funktionellen Dysphagietherapie

      • 7.1.2.1. Restituierende Verfahren
      • 7.1.2.2. Kompensatorische Methoden
      • 7.1.2.3. Adaptierende Maßnahmen

  • 7.2. Holistische Verfahren: facio-orale Therapien

    • 7.2.1. Therapie des facio-oralen Traktes (FOTT™)
    • 7.2.2. Orofaciale Regulationstherapie (ORT)